Art-Photography

© 2017 Thorsten Kern

„REVISITED“, 2003 - 2005

analoge Fotografie, Color-Negativ oder Dia

Groesse: diverse (H x B)

aufgezogen auf Alu - Dibond, hinter Plexiglas kaschiert (Diasec)

Auflage: je Motiv 10 Stueck, teilweise vergriffen

Amsterdam_Prinsengracht_1, 2003, 150 x 60 cm, ed. of 10
Amsterdam_Prinsengracht_2, 2003, 150 x 60 cm, ed. of 10
Athen_City, 2003, 60 x 100 cm, ed. of 10
Barcelona_Sagrada Familia, 2003, 150 x 60 cm, ed. of 10
Berlin_Potsdamer Platz, 2002, 250 x 70 cm, ed. of 5
Bruessel_Atomium_1, 2003, 250 x 70 cm, ed. of 5
Bruessel_Atomium_2, 2003, 150 x 60 cm, ed. of 10
Budapest_Hotel Marriott, 2003, 60 x 100 cm, ed. of 10
Duisburg_Bruecke d. Solidaritaet, 2005, 60 x 60 cm, ed. of 10
Hamburg_Alster, 2003, 150 x 60 cm, ed. of 10
Hamburg_St. Pauli Fischmarkt, 2003, 150 x 60 cm, ed. of 10
Koeln_dom, 2003, 150 x 60 cm, ed. of 10
London_big Ben, 2003, 150 x 60 cm, ed. of 10
London_Buckingham Palace, 2003, ed. of 10
New York_Guggenheim, 2001, 80 x 80 cm, ed. of 10, SOLD OUT!
Paris_Arc de Triomphe, 2003, 150 x 60 cm, ed. of 10
Paris_Eiffelturm, 2003, 125 x 125 cm, ed. of 5
Prag_Karlsbruecke, 2003, 100 x 60 cm, ed. of 10
Rom_Petersplatz, 2003, 150 x 60 cm, ed. of 10
Warschau_Sygmuntsaeule, 2005, ed. of 10
Wien_Prater_1, 2003, 100 x 60 cm, ed. of 10
Wien_Prater_2, 2004, 150 x 60 cm, ed. of 10
Zermatt_Matterhorn, 2004, 80 x 80 cm, ed. of 10
Text zu REVISITED:
Der exzentrische Blick

von Dr. Kerstin Stremmel, Köln
Die Orte sind hinlänglich bekannt: touristische Epizentren, immer wieder fotografiert mit dem unhintergehbaren Wunsch nach Einschreibung und Authentizität. Üblicherweise dokumentieren die Aufnahmen ich bin da-gewesen, sollen Erfahrung beglaubigen. Diese private Gebrauchsweise der Fotografie ist Ausdruck für jenes Phänomen, das Gottfried Benn in seinem Gedicht „Reisen“ beschrieben hat: „ach, vergeblich das Fahren! Spät erst erfahren Sie sich“. Der Wunsch nach Horizonterweiterung ist meist utopisch, es gilt wohl eher, was Susan Sontag über den Zusammenhang zweier moderner Aktivitäten, Tourismus und seinen Zwillingsbruder Fotografie, gesagt hat: Fotografieren führt häufig zu einer Form der Verweigerung von Erfahrung, die Bilder bilden eine Ersatzwirklichkeit, hinter der die Realität verschwindet.

Doch mit dokumentarischem Anspruch war Architekturfotografie, die es seit Erfindung dieses Mediums gibt, einst angetreten: Die Bilder sollten die Welt vermitteln, Fernes oder Fremdes nahe bringen, die Sehnsüchte der Betrachter wecken und vergleichendes Sehen vereinfachen. In der künstlerischen Fotografie ist dieser letzte Aspekt seit den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts insbesondere von Bernd und Hilla Becher betont worden, um künstlerische Aussagen zu machen. Wie jene Pioniere ist Thorsten Kern in bestimmter Hinsicht um Neutralität bemüht: Der Himmel ist in der Regel bedeckt, auf starke Farbigkeit wird verzichtet. Allerdings gibt es Ausnahmen, der Hamburger Fischmarkt etwa ist unter blauem Himmel mit weißen Wattewolken fotografiert, was insofern ungewöhnlich ist, als der touristische Blick auf ihn eher im Morgengrauen, nach nächtlichem Besuch in St. Pauli, fällt als am helllichten Tage. Ganz anders als im Becher’schen Archiv dokumentarischer Aufnahmen variiert Kern bei seiner Serie die Formate und die Blickwinkel je nach Sujet: Vom 150 x 60 cm schmalen Blick unter dem üblicherweise im Querformat erfassten Arc de Triomphe heraus bis hin zum mit 125 x 125 cm quadratischen Bild des Eiffelturms, der in diesem Ausschnitt von einer weißen, mit Schriftzügen besprühten Mauer bedrängt zu werden scheint.

Was Kerns Fotografien verbindet ist das Motiv der unorthodoxen Suche nach Randphänomenen, was zu einer Fülle interessanter Einzelbilder und einem überzeugenden Gesamtkonzept führt. Sein Blick vorbei am Zentrum lehrt uns, die Details neu zu sehen, er gibt ihnen den Raum, den sie in unserer Erfahrung haben, und indem er sie konserviert und bildwürdig macht, nimmt er Abstand von jedem Klischee. Ein bewusster Einbau grafischer Fehler wird dabei, augenzwinkernd und authentizitätsverstärkend, billigend in Kauf genommen: Den Asphalt des Potsdamer Platzes oder den Kiesboden, der auf dem Bild eines Teils des Buckingham Palace genau die Hälfte der Bildfläche ausmacht, hat man nach Besichtigung meist in ebenso starker Erinnerung wie die wahrgenommenen Gebäude

Jeder Reisende weiß, dass die steingewordenen Repräsentanten des Massentourismus, die säkularisierten Mythen, längst Opfer der Vermarktung geworden und immer wieder gut für Enttäuschungen sind, da sie ständigem Wandel und städtebaulichen Veränderungen unterliegen und ihrer Verklärung nicht gerecht werden können: Vor dem Kölner Dom stehen Mülleimer, umgeben von schlecht gezieltem Abfall, die Sagrada Familia ist nicht nur das Herzstück des spanischen Jugendstils, sondern eine 1883 begonnene, zeitweise ruhende Baustelle, und die Rückseiten mancher Gebäude scheinen in keinem Zusammenhang mit ihren repräsentativen Schauseiten zu stehen.

Durch Kerns Zugriff entstehen keine verspielten Suchbilder, sondern Blicke auf Ränder und Details, die nicht als pars-pro-toto für das stets im Titel genannte Motiv, aber als Ergebnisse eines aufmerksamen Blicks gelten können, der sich bisweilen mit den Erfahrungen der Bildbetrachter stärker deckt, als wenn eine präzise Erfassung des Ganzen stattfinden würde. Und in dieses Konzept passt der Blick auf ein in der Prinsengracht schwimmendes Körbchen, das sofort nach seinem einstigen Inhalt fragen lässt, genauso wie der Blick unter eine der wie aus dem Boden herauswachsenden Kugeln des Brüsseler Atomiums. Von einem der singulären Werke der Moderne, Frank Lloyd Wrights New Yorker Guggenheim Museum, ist nicht die legendäre Spiralform zu erkennen, die noch in Hiroshi Sugimotos schemenhafter Aufnahme den Wiedererkennungswert ausmacht. Statt der Rampe hat Kern einen Teil der Grundfläche und des Erdgeschosses, eine angeschnittene Blumenschale und den Teil des Schriftzugs erfasst, der in seiner Isolierung das Synonym eines Hauses mit allen Anklängen von Geborgenheit, das Wort HEIM, bildet. Diese Fotografie macht deutlich, dass Kern seine Aufnahmen nicht manipuliert und inszeniert, sondern innovativ und nicht ohne Ironie mit dem Vorgefundenen arbeitet.
The eccentric look

Text by Dr. Kerstin Stremmel, Cologne
The places are sufficiently well-known: tourist epicentres being photographed over and over again with the indubitable desire of inscription and authenticity. Normally the photographs reveal I have been there, they shall confirm experience. This private kind of use of photography is the expression of the phenomenon which Gottfried Benn described in his poem ”Reisen” (Travelling): ”ach, vergeblich das Fahren! Spät erst erfahren Sie sich”. The desire to amplify the horizon is mostly utopian, probably it is more true what Susan Sontag said concerning the connection of two modern activities, tourism and his twin brother photography: Taking photos often leads to a form of refuse of experience, the pictures lead to a substitute of reality behind which the reality disappears.

But, the photography of architecture, existing since the invention of this medium, once started with a documentary claim. The pictures should convey the world, they should bring closer the faraway and the foreign, they should arouse the yearning of the spectator and facilitate a comparative look. In the field of artistic photography, since the sixties of the last century, this last aspect had been stressed particularly by Bernd and Hilla Becher in order to make artistic statements. Like those pioneers Thorsten Kern, in a certain respect, tries hard to show neutrality. Generally the sky is covered, he renounces at strong colours. But there are exceptions, the fish market in Hamburg e.g. is photographed under a blue sky with white cotton clouds what is unusual inasmuch as the tourists glance at it rather at dawn, after a nightly visit of Saint Pauli, than in broad daylight. Quite contrary to the Bechers’ archive of documentary pictures Kern varies the formats and the angles of vision in his series according to the subject: From the 150 x 60 cm narrow view under the Arc de Triomphe, generally shot in landscape format, up to the 125 x 125 cm square picture of the Eiffel Tower which in this detail seems to be bothered by a white wall sprayed with writings.

What is connecting Kern’s photographs is the motive of the unorthodox search for marginal phenomena leading to an abundance of interesting individual pictures and to a convincing overall concept. His look past the centre teaches us to see details from a new angle, he gives them the space which they have in our experience and by preserving them and making them worth being photographed he refrains from each cliché. When doing so, a considered installation of graphic faults is approvingly accepted with a wink and in a manner intensifying authenticity. The asphalt of the Potsdamer Place or the pebble floor, representing exactly the half of the space on a photo of the Buckingham Palace, will be remembered even as strongly after the visit as the visited buildings.

Each traveller knows that the petrified representatives of mass tourism, the secularised myths, have become victims of marketing long since and that they will be good for deceptions again and again as they are subject to permanent change and alterations of urbanism and that they cannot justify their admiration: In front of the Cathedral of Cologne there are dustbins surrounded by badly aimed waste, the Sagrada Familia is not just the core of the Spanish Art Nouveau but a building site, started in 1883, temporarily closed, and the back sides of some buildings do not seem to have any connection with their representative front sides.

Kern’s approach does not result in playful seeking pictures but in glances on edges and details which cannot be considered as a pars-pro-toto for the motive always indicated in the title, but as a result of an attentive look, sometimes agreeing more to the experiences of the spectator of the picture as if a precise recording of the whole surrounding should take place. And to this concept corresponds the look on a small basket swimming in the Prinsengracht immediately arousing questions concerning its former content as well as the view under one of the balls of the Atomium in Brussels seeming to grow out off the ground. In a picture of one of the most spectacular works of Modern Times, Frank Lloyd Wright’s Guggenheim Museum in New York, the legendary spiral form, still representing the value of recognition in Hiroshi Sugimoto’s shadowy photo, cannot be seen. Instead of the ramp Kern has chosen a part of the area and of the ground floor, a bowl of flowers and a part of a writing, forming in its isolation the synonym of a house with all connotations of security, the German expression ‘HEIM’. This photo clearly shows that Kern does not manipulate or stage in his pictures, but works with what he finds in an innovative way not without irony.
Bookmark or share this page
Instagram
WhatsApp
Ello
Snapchat
Facebook
Twitter
Google+
LinkedIn
Pinterest
Skype
Tumblr
XING
YouTube
Contact Me
Email This Page
Print This Page
La vue excentrique

Dr. Kerstin Stremmel, Cologne (Traduction de la langue allemande)
Les endroits sont bien connus: des épicentres touristiques sans cesse photographiés avec le désir indubitable d’inscription et d’authenticité.
Généralement les photographies document ‘
j’étais là’, elles doivent certifier ce phénomène que Gottfried Benn décrivait dans son poème allemand «Reisen» (Voyager): «ach, vergeblich das Fahren! Spät erst erfahren Sie sich».
Le plus souvent le désir d’agrandir l’horizon est utopique, il vaut mieux ce que Susan Sontag disait sur le rapport entre deux activités modernes c’est-à-dire le tourisme et son frère jumeau, la photographie: Faire des photos mène souvent à une forme de refus de l’expérience, les photos forment une réalité remplaçante derrière laquelle la réalité disparaît.

Mais autrefois la photographie d’architecture, existant à partir d’invention de ce médium, avait commencé avec des exigences documentaires. L’objectif des photos était de transmettre le monde, de faire mieux connaître le loin et l’étranger, de susciter les désirs de l’observateur et de faciliter la vue comparante. Dans la photographie artistique, à partir des années soixante du siècle passé ce dernier aspect a été souligné en particulier par Bernd et Hilla Becher pour faire des déclarations artistiques. Comme ces pionniers, Thorsten Kern s’efforce de neutralité d’un certain égard: Généralement le ciel est couvert, il renonce aux couleurs forts. Mais il y a des exceptions, le Marché aux Poissons à Hambourg, par exemple, a été photographié sous un ciel bleu avec des nuages d’ouate blancs ce qui est exceptionnel dans la mesure où la vue touristique tombe sur celui-ci plutôt à l’aurore, après une visite de nuit de St. Pauli, qu’au plein jour. Bien au contraire qu’au archive Becher de photographies documentaires Kern varie les formats et les angles dans sa série selon le sujet: De la vue étroite, en format de 150 x 60 cm, sous l’Arc de Triomphe, normalement photographié en format à l’italienne, jusqu’à la photo carrée, en format 125 x 125 cm, de la Tour Eiffel, qui, dans ce détail, semble d’être harcelée par un mur blanc, éclaboussé des écritures.

Ce qui fait un rapport entre les photographies de Kern c’est le motif de la recherche peu orthodoxe des phénomènes marginaux ce qui mène à une myriade des photos individuelles intéressantes et à un concept d’ensemble convaincant. Sa vue le long du centre nous fait apprendre des détails d’une manière nouvelle, il leur donne l’espace qu’ils l’ont dans notre expérience et en les conservant et en montrant qu’ils méritent d’être photographiés il renonce à tout cliché. En clignant de l’œil et d’une manière renforçant l’authenticité une installation délibérée des fautes graphiques est approuvée et acceptée dans cet accès. L’asphalte du Potsdamer Platz ou le sol de gravier, qui représente sur la photo d’une partie du Buckingham Palace exactement la moitié de la photo, est tout aussi bien rappelé après la visite que les bâtiments perçus.

Chaque voyageur sait que les représentants pétrifiés du tourisme de masse, les mythes sécularisés, sont devenus des victimes du marketing depuis longtemps et qu’ils sont toujours bons pour des déceptions comme ils sont sujets à une transformation permanente et aux changements d’urbanisme et ils ne peuvent pas justifier leur admiration. Devant la Cathédrale de Cologne il y a des poubelles entourées des déchets mal visés, la Sagrada Familia n’est pas seulement la pièce maîtresse de l’Art nouveau espagnol, mais aussi un chantier, commencé en 1883, mais reposant de temps en temps, et les derrières de certains bâtiments ne semblent d’avoir des rapports avec leurs cotés avants représentatives.

L’accès de Kern ne résulte pas dans des photos de recherche de fantaisie, mais dans des vues sur des bords et des détails qui ne peuvent pas être considérés comme le pars-pro-toto du motif mentionné au titre, mais comme des résultats d’une vue attentive, qui, parfois, correspond mieux au expériences de l’observateur qu’une détection précise de l’ensemble total. C’est dans ce concept que la vue tombe sur un corbeille flottant dans le Prinsengracht provoquant immédiatement des questions quant à son contenu d’autrefois ainsi que la vue sous l’une des boules de l’Atomium à Bruxelles qui semble pousser du sol. De l’un des œuvres singuliers de la Moderne c’est-à-dire du Musée Guggenheim à New York, crée par Frank Lloyd Wright, on ne peut pas voir la forme de spirale légendaire qui représentait encore la valeur de reconnaissance dans la photographie indistincte de Hiroshi Sugimoto. Au lieu de la rampe Kern avait choisi une partie de la superficie et du rez-de-chaussée, une partie d’une coupe de fleurs ainsi qu’une partie de l’écriture qui symbolise dans son isolation le synonyme d’une maison avec toutes les connotations du sentiment de sécurité c’est-à-dire l’expression allemande ‘HEIM’. Cette photographie rend visible que Kern ne manipule pas et ne met pas en scène ses photos, mais qu’il travaille d’une manière innovante et pas sans ironie avec ce qu’il trouve sur lieu.


Dans ce poème, Gottfried Benn joue un jeu de mots intraduisible des mots allemands ‘Fahren/Erfahren’ dont la signification en français est à peu près: «Il est en vain de rouler. C’est déjà tard quand ils font l’expérience d’eux-mêmes». – Remarque de la traductrice.
L’expression allemande ‚Heim‘ signifie en français ‚domicile‘ - Remarque de la traductrice.